| Die Öko-Schweineerzeugung Hintergrundinformationen: (Stand November 2011)
Anfang 2007 befand sich die Öko-Schweinemarkt wie überhaupt der gesamte Ökomarkt geradezu in einer Euphoriestimmung. Getragen von ständig neuen Umsatzrekorden suchten Abnehmer in ganz Deutschland und darüber hinaus nach Öko-Schweinen und versprachen teilweise eine Verdopplung der verarbeiteten Mengen binnen Jahresfrist. Auch die Landwirte wurden von der guten Stimmung erfasst und weiteten ihre Bestände aus. Neue Betriebe, insbesondere Ferkelerzeuger, gingen ohne gesicherte Vermarktung in die Umstellung.
Anfang 2009 lagen erzielte man für Öko-Mastschweine etwa 2,87 € je kg Schlachtgewicht (Oktober 2011: E-Schweine 3,10 € je kg SG). Öko-Ferkelerzeuger profitieren von der hohen Nachfrage nach Öko-Schweinen und erzielen aktuell für ihre Ferkel rund 106 € (28-kg-Preis). Aufgrund in 2009 langsam gesunkener Futtermittelpreise verbesserte sich auch die Wirtschaftlichkeit. Seit Anfang 2010 ist jedoch wieder eine Erhöhung bei den Futterkosten zu beobachten, die sich seit der Ernte im vergangenen Jahr massiv beschleunigt hat. Ihren Höhepunkt erreichten die Getreidepreise im Frühjahr mit Spitzenpreisen von über 37 € je dt Futterweizen. Bei den aktuellen Preisen von 34 €/dt für Getreide und 39 €/dt für Körnerleguminosen bei gleichzeitigem Preisanstieg von Mineralfutter ergeben sich gegenwärtig Rationskosten für Mastschweine und Sauen von etwa 44 €/dt. Dementsprechend waren die Erzeugerpreise Ende vergangenen Jahres bei weitem nicht mehr kostendeckend, von einem angemessenen Gewinn ganz zu schweigen. Glücklicherweise sind die Preise nach der Ernte in diesem Jahr nicht erneut gestiegen. Einige Vermarkter haben um die Jahreswende reagiert und die Preise zunächst um 5 bis 8 Cent, in Einzelfällen auch um mehr als 10 Cent erhöht, so dass ein Preisniveau knapp unter 3 € erreicht wurde. Nach intensiven, zum Teil auch sehr kontrovers geführten Verhandlungen kam es ab dem Sommer zu weiteren Preiserhöhungen, die auch das Resultat einer vom ABD verfassten Pressemitteilung waren. Viele Abnehmer zahlen mittlerweile zwischen 3,05 € und 3,15 je kg Schlachtgewicht, einzelne sogar 3,20 €. Mit diesen Preisen können die Produktionskosten erstmals wieder annährend gedeckt werden. Von den höherer Erzeugerpreisen haben auch die Bio-Ferkelerzeuger profitiert, die für ein 28-kg-Ferkel aktuell 106 € erzielen. Dennoch reichen auch diese Preise nicht aus für eine langfristig rentable Erzeugung, da die Futterkosten unvermindert hoch sind und in vielen Betrieben Investitionen anstehen. Eine nennenswerte Ausweitung der Ökoschweinebestände ist daher auch in Deutschland nicht zu verzeichnen. Seit 2009 übersteigt die Nachfrage das Angebot. Wesentliche Gründe für den guten Absatz sind der erfolgreiche Verkauf von Wurst und Hackfleisch über Lebensmittelketten und Discounter. Aber auch Biosupermärkte sind im Verkauf von Biofleisch (zunehmend) erfolgreich und verkaufen an ihren attraktiv gestalteten Fleischtheken im Gegensatz zum konventionellen Handel auch viele Edelstücke. Mit neuen Produkten beginnt der konventionelle Lebensmitteleinzelhandel hier aber allmählich nachzuziehen. Die Situation, dass die Ware Schweinefleisch knapp ist bzw. dass sich Angebot und Nachfrage die Waage gehalten, muss so bleiben, ja sie ist geradezu existent. In einem so kleinen Markt - nur ca. 0,6 Prozent der in Deutschland geschlachteten Schweine sind Öko-Schweine - können kleine Veränderungen verheerende Folgen haben. Auch wir wollen eine Ausweitung der ökologischen Landwirtschaft und damit auch der ökologischen Schweinehaltung. Aber bevor Betriebe umstellen, muss ihre Vermarktung stehen. Wenn unkontrolliert Öko-Schweine verschiedenen Vermarktern angeboten werden, erzeugt dies unmittelbar Preisdruck auf alle. Das muss vermieden werden. Die Anforderungen an die ökologische Schweinehaltung werden in den kommenden Jahren deutlich wachsen. Einige Betriebe nutzen gegenwärtig noch Ausnahmegenehmigungen in der Haltung. In der ökologischen Schweinemast fehlen in einigen Betrieben noch die Ausläufe. Ferkelerzeuger müssen teilweise auch noch Veränderungen bei den Abferkelbuchten vornehmen. Eine verordnungskonforme Lösung ist spätestens bis Ende 2013 einzurichten. Die Anbauverbände Bioland und Naturland verlangen - zu Recht - die Ausläufe in der Schweinemast schon seit 2011, wenn eine Vermarktung unter Warenzeichen erfolgen soll. Ab 2012 sind zudem alle Öko-Schweinehalter verpflichtet, auf den Einsatz konventioneller Futtermittel gänzlich zu verzichten, wenn es nicht kurzfristig zu einer geänderten Anschlussregelung kommt. In den letzten Jahren durchgeführte Versuche mit einer 100%igen Biofütterung haben gezeigt, dass dies aus ernährungsphysiologischer Sicht grundsätzlich möglich ist. Dazu werden jedoch einer Vielzahl von Komponenten benötigt, deren Verfügbarkeit gegenwärtig noch begrenzt ist. Um 5 Prozent Kartoffeleiweiß zu ersetzen bedarf es rechnerisch 10 bis 15 Prozent Sojakuchen oder über 30 Prozent Körnerleguminosen. Um die Verträglichkeit zu gewährleisten, müssen künftig mehrere Eiweißkomponenten kombiniert werden, was die Herstellung von Eigenmischungen erschwert. Letztlich werden auch die Kosten steigen. Wir unterstützen die rasche Umsetzung aller Vorgaben der EU-Öko-Verordnung und prüfen gemeinsam mit anderen Akteuren im Ökoschweinemarkt Alternativen. Dabei sind wir auch bereit unkonventionelle Wege zu gehen, wie beispielsweise den Einsatz bestimmter Aminosäuren aus bakterieller Fermentierung. Hier stehen wir zusammen mit den Anbauverbänden in intensiven Gesprächen mit Forschung und Industrie. Eine Bedarfsanalyse hat gezeigt, dass mit den gegenwärtig zur Verfügung stehenden Bioeiweißfuttermitteln eine bedarfsgerechte Fütterung von Biogeflügel und Bioschweinen in ganz Europa nicht möglich ist. Da die Kosten der Produktion jedoch dadurch erneut erhöht werden, gilt es mehr denn je kostendeckende und gewinnbringende Preise für Schweine und Ferkel in Ökoqualität zu erzielen. Mit unseren Partnern in Verarbeitung und Vermarktung streben wir ein faires Verhältnis an. Dafür muss man ihnen jedoch auf Augenhöhe begegnen können. Das Aktionsbündnis Bioschweinhalter Deutschland e.V. versteht sich hier als Bündler der Erzeugerinteressen. Je mehr Betriebe dem Bündnis beitreten - idealerweise europaweit vernetzt - desto gewichtiger wird seine Stimme. Weitergehende Informationen zu Markt und Wirtschaftlichkeit der ökologischen Schweinehaltung finden Sie in den Fachbeiträgen. Gerne geben wir Ihnen auch persönlich Auskunft zu unseren Zielen und zu dem bisher Erreichten. Unsere Kontaktadressen finden Sie unter Vorstand. Ihr
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