Erfolgreiche Bio-Schweine-Tagung „Marktentwicklung und neue Ideen für Bio-Schweine“ im Juni in Bad Mergentheim

von ABD e.V. (Kommentare: 0)

Über 100 Landwirte, Berater und Vermarkter aus ganz Deutschland sowie den Niederlanden und Österreich diskutierten aktuelle Entwicklungen am Bio-Schweinemarkt bei einer Tagung am 22. und 23. Juni 2022, die gemeinsam vom Aktionsbündnis Bioschweinehalter Deutschland sowie der Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen und der Arbeitsgemeinschaft Ökologischer Landbau Baden-Württemberg organisiert wurde.

Nachfolgend einige Aussagen der Referenten und Referentinnen zum Bio-Schweinemarkt:

Im Vergleich zu konventionellen Lebensmitteln fallen die Teuerungsraten bei den meisten Bio-Lebensmitteln geringer aus, erklärte Diana Schaack von der AMI „und gegenüber 2019, also vor der Pandemie, liegt der Umsatz mit Bio-Lebensmitteln aktuell immer noch etwa 9 Prozent höher. Während konventionell die Einkaufsmengen privater Haushalte im Zeitraum Januar bis Mai 2022 um 19 Prozent sanken, lag dieser Wert bei Bio-Fleisch bei unter 10 Prozent.

Heinrich Rülfing, Vorsitzer des Aktionsbündnis Bioschweinehalter Deutschland, stellte das Projekt „Markttransparenz durch Europäisches Bio-Schweineforum“ vor, dessen Ziel es ist, Veränderungen der Bio-Schweinebestände möglichst frühzeitig vorhersagen zu können, um insbesondere eine Überversorgung, aber auch eine Unterversorgung des Marktes zu verhindern. Dabei meldeten 26 Bio-Ferkelerzeuger monatlich die Zahl der abgesetzten Ferkel an die AMI. Im Jahr 2021 setzten die Betriebe 3,2 Prozent mehr Ferkel ab als im Jahr 2020. Hochgerechnet auf ganz Deutschland müssten somit 2021 etwa 7.000 Bio-Mastschweine mehr erzeugt worden sein, ohne dass sich die Tierbestände vergrößert hätten.  

„Bio und die Transformation der Tierhaltung sind wichtige Themen bei Tönnies“, erklärte Thomas Dosch, Geschäftsführer der Tönnies Bio GmbH & Co. KG einleitend. Man strebt im Unternehmen die Verwertung des gesamten Schlachtkörpers an, wenngleich es bei Bio-Schweinen nicht möglich sei, alle Teile des Tieres auch Bio zu vermarkten. „Unser Ziel sind Bio-Schweine aus Deutschland“, betonte Dosch, aber vielfach seien nicht genug deutsche Bio-Schweine bzw. Bio-Ferkel verfügbar gewesen.

Tomás Sonntag von der Marktgesellschaft der Naturlandbauern zeigte auf, wie man das Naturland-Warenzeichen im Handel etabliert habe. „Im Naturkosthandel wird das Zeichen schon lange genutzt und im Jahr 2009 konnten wir mit Rewe einen langjährigen Kooperationsvertrag schließen“, stellte Sonntag vor. Bis Anfang des Jahres habe man viele Kunden nicht ausreichend mit Ware bedienen können, so dass es jetzt durch den Umsatzrückgang mit Bio-Fleisch gerade gut passe. Bei allen aktuell bestehenden Unsicherheiten ist er sich aber sicher: „Der Trend zu mehr Bio bleibt.“

„Jede Handelskette hat mittlerweile ihre eigene Bio-Marke, aber Bio allein reicht häufig nicht mehr aus“, erklärte Irina Michler vom Bioland-Verband. „Der Handel sucht nach Profilierungsmöglichkeiten und die Marke Bioland wird dabei der Erwartungshaltung der Verbraucher im Hinblick auf Tierschutz, Biodiversität und Herkunft gerecht.“ Die seit mehreren Jahren bestehende Zusammenarbeit mit Lidl wird grundsätzlich positiv bewertet. Bioland-Fleisch ist momentan noch nicht Teil davon, aber es laufen intensive Gespräche mit den Partnern.

Auch die Bio-Schweinebranche kann sich den Folgen der weltweiten Krise infolge des Krieges in der Ukraine nicht vollständig entziehen. Es bestand jedoch Einigkeit bei den Teilnehmenden der Tagung, dass Bio-Schweinefleisch weiter seinen Absatz findet. Die weiteren Aussichten bleiben positiv, auch wenn das Wachstum sich kurzfristig etwas verlangsamen dürfte. Da vor der Krise die Nachfrage nicht gedeckt werden konnte, ergeben sich jetzt auch keine Angebotsüberschüsse.

Zurück