10. ABD-Bio-Schweine-Tagung „Marktentwicklung und Optimierung“

Am 20. und 21. November 2018 hatte das Aktionsbündnis Bioschweinehalter Deutschland (ABD) zusammen mit der VÖL Hessen und der Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen zur 10. ABD-Bio-Schweine-Tagung nach Willebadessen in Hessen eingeladen. Gestärkt durch ein Mittagessen konnten die Teilnehmer im Anschluss die Rügenwalder Spezialitäten Plüntsch oder den Betrieb der Familie Hold besuchen. Bei den „Rügenwaldern“ erfuhren wir viel über die Entstehung von Teewurst und welche Perspektiven das Unternehmen bei Bio-Schweinefleisch für sich sieht. Fritz Hold überzeugte die Besucher mit einem gleichermaßen innovativen wie zeitsparenden Stallkonzept. Langjährige Partnerschaften bei Futterbeschaffung und Vermarktung sind wesentliche Elemente seiner Betriebsstrategie.

Wie in den vergangenen Jahren bildete die aktuelle Marktsituation den Schwerpunkt des ersten Tages der Tagung. Diana Schaack von der AMI berichtete, dass 2017 die Schlachtzahlen um 15 Prozent auf etwa 290.000 Bio-Schweine gestiegen sind und für 2018 erwartet sie eine ähnliche Steigerung. Der Markt nimmt dieses Wachstum nicht mehr ganz so bereitwillig auf wie in den vergangenen Jahren. Dem verstärkten Angebot an Bio-Schweinen konnte Schaack aber etwas sehr Positives abgewinnen und empfahl: „Anstatt über Preissenkungen nachzudenken, sollte man das größere Rohwarenangebot für die Produktentwicklung nutzen!“

Jochen Kulow, einer der Geschäftsführer der Bio Wutz Aktions GmbH, stellte den neu gegründeten Erzeugerzusammenschluss vor, der von einigen Mitgliedern des Aktionsbündnis Bioschweinehalter Deutschland (ABD) gegründet wurde. Und Martin Epping berichtete vom erfolgreichen Start der BioMühle Hamaland in westfälischen Gescher. Eine schon längere Erfolgsgeschichte ist die Bäuerliche Erzeugergemeinschaft Schwäbisch Hall (BESH), die von ihrem Gründer Rudolf Bühler vorgestellt wurde.

Bio-Schweinehalter können durchaus stolz sein auf das Erreichte. Aber unter dem Titel „Und noch ein bisschen besser …“ hatte man zur Tagung einen Referenten und eine Referentin von zwei Verbraucherorganisationen eingeladen, um den Blick weiter zu schärfen. Den Auftakt machte Reinhild Benning von Germanwatch, die es als „respektabel und beachtenswert“ empfand, dass man sich dieser Frage widme. Sie sprach sich dagegen aus, Tierwohl und Umweltschutz gegeneinander auszuspielen. „Die Anbauverbände können sich durch ihren geringeren Antibiotikaeinsatz profilieren“, betonte Benning und sieht Bio-Betriebe auch bei der Verbreitung von MRSA-Keimen im Vorteil, denn hier gäbe es weitaus weniger positive Betriebe. Matthias Wolfschmidt von foodwatch wies eingangs darauf hin, dass die Einhaltung der Vorschriften der EU-Bio-Verordnung nicht automatisch bessere Tierhaltungsbedingungen mit sich bringe. „Ein hohes Maß an Tiergerechtheit fußt auf der Ausübung von arteigenem Verhalten und Tiergesundheit“, definierte Wolfschmidt die Ziele. Wolfschmidt empfahl den Landwirten den Tiergesundheitsstatus regelmäßig und systematisch zu erfassen.

Ulrike Westenhorst von der Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen definierte mit den Landwirten gemeinsam, welche Erhebungen im Rahmen eines noch laufenden EIP-Projektes gemacht werden sollen, um ein möglichst umfassendes Bild über die jeweilige betriebliche Situation zu erhalten. Ihr Ergebnis in Kürze: „In vielen Bereichen läuft es gut bis sehr gut, aber es gibt eben auch einzelne Bereiche, die verbessert werden müssen.“


Als Berater hat Christoph Jerrentrup vom Hessischen Verband für Leistung und Qualitätsprüfung in der Tierzucht schon seit 20 Jahren Bio-Betriebe als Kunden. Die ökonomische Bewertung mache derzeit Spaß, denn mit dem jetzigen Deckungsbeitrag könne man mit Bio-Mastschweinen auch Geld verdienen, was grundsätzlich auch für die Bio-Ferkelerzeugung gelte. Anhand zahlreicher „Best Practice“-Beispiele zeigte Martina Kozel von der Naturland-Fachberatung auf, wie man die Haltung von Ökoschweinen noch verbessern und auch arbeitswirtschaftlich erleichtern kann. Ihren Vortrag schloss Martina Kozel mit der Vorstellung eines Betriebes mit 240 Sauen mit einem vollautomatisierten Entmistungssystems in einem kompletten Neubau. „Wir suchen Wege zur Verringerung der Arbeitsbelastung, weil wir zunehmend Schwierigkeiten haben, Mitarbeiter auf den Höfen zu finden“, erklärte Kozel und ergänzte: „Die Tierbeobachtung darf dabei jedoch nicht leiden!“

Und wie optimieren Praktiker ihre Haltung? Hier konnte Sebastian Schulte-Remmert Spannendes berichten, der zusammen mit seinem Vater einen Betrieb mit 175 Bio-Sauen in Lippstadt führt und dafür 2014 neu gebaut hat. Durch zahlreiche Maßnahmen gelang es, die Zahl der abgesetzten Ferkel schon 2016 auf 21,5 zu erhöhen. 24 Ferkel möchte Sebastian Schulte-Remmert künftig absetzen, was angesichts der bisher außerordentlich professionellen Vorgehensweise als absolut realistisch betrachtet werden darf.

Als zweiter Praktiker stellte Christian Weber aus dem hessischen Niddatal seine Erfahrungen mit Sojabohnenanbau und -toastung auch im Hinblick auf eine angestrebte 100-Prozent Biofütterung ohne konventionelles Kartoffeleiweiß vor. Bei der Fütterung überzeugten die getoasteten Sojabohnen mit sehr guten Leistungen (z. B. 870 Gramm Tageszunahmen) und die Kosten gegenüber einer Ration mit etwas Kartoffeleiweiß waren sogar niedriger. „Wir haben mit 100-Prozent-Biofütterung sogar Geld verdient“, freute sich Weber.

Während das Aktionsbündnis Bioschweinehalter Deutschland verbandsübergreifend die Interessen der Bio-Schweinehalter vertritt, übernimmt die Interessengemeinschaft der Schweinehalter Deutschlands (ISN) diese Aufgabe vor allem für die konventionell wirtschaftenden Betriebe. Der Vorsitzende der ISN, Heinrich Dierckes, und dessen Geschäftsführer Dr. Torsten Staack stellten daher die Ziele ihres Vereins vor. Die anwesenden Bio-Landwirte honorierten den sehr sachlichen und keineswegs polarisierenden Vortrag. Noch während der Tagung erklärten die Verantwortlichen sich bereit in einen weiteren und tiefergehenden Dialog einzutreten. Denn bei allen Unterschieden zwischen ökologischer und konventioneller Erzeugung gibt es auch Verbindendes, was man durchaus gemeinsam auf den Weg bringen kann.

 

Den Bio-Mastschweinen von Fritz Hold geht es auch bei nass-kaltem Wetter prächtig.
Den Bio-Mastschweinen von Fritz Hold geht es auch bei nass-kaltem Wetter prächtig.
Diana Schaack von der AMI berichtete über aktuelle Entwicklungen am Bio-Schweine- und Bio-Futtermarkt und bereichert unsere Tagung seit vielen Jahren.
Diana Schaack von der AMI
Reinhild Benning von Germanwatch zollte den Bio-Schweinehaltern Respekt, weil sie sich auch kritisch mit ihrer eigenen Schweinehaltung auseinandersetzen. Dabei fand sie einige lobende Wort, denn gerade hinsichtlich Medikamenteneinsatz haben die Bio-Schwei
Rein. Benning von Germanwatch


Berichte über die Tagungen des ABD